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Neue Plattform für Gefäß- und Tumorforschung reduziert Tierversuche

VOGiM: Tumor-induzierter Zelltod und die Tumorzonen 1 und 2. Dargestellt ist der Tumor in grün, geschädigte Neuronen in rot und Zellkerne in blau. Es sind deutlich mindestens zwei Tumor-Zonen (TZ I und TZ II) abgrenzbar.

Zellkulturtechnik ermöglicht Beobachtung des Tumorwachstums

Bösartige Tumore sind unter anderem gekennzeichnet durch die Bildung massiver Gefäße und der Umgehung des Immunsystems. Eine neu entwickelte Zellkulturtechnik erlaubt es nun, die Vorgänge des Tumorwachstums direkt in Echtzeit und ohne Verwendung aufwendiger Tierversuche zu studieren. Das Team um den Neurowissenschaftler PD Dr. N. Savaskan befasst sich dabei insbesondere mit Hirntumoren. Es hat hierfür eine 3D-Zellkulturtechnik namens VOGiM (Vascular Organotypic Glioma Impact Model) entwickelt, die es ermöglicht, die Gefäßbildung von Tumoren und deren Interaktion mit Immunzellen in einem organotypischen Kontext über mehrere Tage zu verfolgen. Mit dieser neuen Technik lassen sich neue Medikamente und Therapien direkt analysieren und Nebenwirkungen schneller und besser erfassen als mit Hilfe von konventionellen Zellkulturtechniken. Darüber hinaus hilft die VOGiM-Technik, bei Gefäßstudien auf Tierversuche zu verzichten oder diese zumindest zu reduzieren. Die Ergebnisse ihrer Studie haben die Wissenschaftler von der Neurochirurgischen Klinik jetzt im Fachjournal „ONCOTARGET“ veröffentlicht.

Das VOGiM ist eine komplexe Technik, die das Studium von Tumoren in Echtzeit und unter klinisch realistischen Bedingungen ermöglicht – und das alles ohne Versuche am lebenden Tier.

sagt Studienleiter PD Dr. N. Savaskan. Für diese Technik werden Gewebeproben von Nagetierhirnen mit Tumorzellen mit fluoreszierenden Reportergenen infiziert. Im Experiment wird dann unter anderem das Wachstum von Tumorzellen und Blutgefäßen und das Absterben von Zellen beobachtet, und es wird der Einfluss von Medikamenten auf diese Entwicklungen getestet.  Mit dem VOGiM kann man zwar nicht komplett auf Tierversuche verzichten, die Plattform ermöglicht jedoch, neue Medikamente und Moleküle auf ihre Wirksamkeit gegen Gliome, also Tumore des zentralen Nervensystems, reproduzierbar und relativ zügig zu testen. Auch die Nebenwirkungen so gut wie jeden Medikaments können damit erforscht werden.  Ziel der Erlanger Wissenschaftler ist nun, neue Hybridmoleküle aus der Pflanzen- und Tierwelt in diesem klinisch relevanten Testsystem zu überprüfen und damit rasch neue Behandlungsstrategien zu entwickeln.

Originalveröffentlichung

Weitere Informationen

PD Dr. Nicolai Savaskan

Telefon: 09131 85-44748