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Neue Forschergruppe zum Darmkrebs

Forschergruppe erforscht Mikromilieu auf der Suche nach gezielteren Therapien

Darmkrebs gehört nach wie vor zu den häufigsten Tumoren im Erwachsenenalter. Trotz großer Fortschritte in der Diagnose und Therapie lässt sich Dickdarmkrebs bislang nur unzureichend gezielt bekämpfen. Mittlerweile ist auch bekannt, warum: Nicht nur die eigentlichen Tumorzellen, sondern auch Immunzellen und Bindegewebszellen in direkter Umgebung der Tumorzellen, das sogenannte Tumormikromilieu, haben einen entscheidenden Einfluss auf das Tumorwachstum.

Prof. Dr. M.F. Neurath (Foto: IZKF Erlangen)

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert die Einrichtung einer neuen Forschergruppe zum Darmkrebs mit 3,5 Millionen Euro für zunächst drei Jahre. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Frankfurt, Erlangen und Regensburg werden im Rahmen der Forschergruppe „Cell Plasticity in Colorectal Carcinogenesis“ (FOR 2438) gemeinsam grundlegende Mechanismen zur Entstehung des Darmkrebses untersuchen. Sprecher der Forschergruppe ist Prof. Dr. F. R. Greten, Direktor des Georg-Speyer-Hauses, Institut für Tumorbiologie und Experimentelle Therapie in Frankfurt, stellvertretender Sprecher ist Prof. Dr. M.F. Neurath, der Direktor der Medizinischen Klinik 1.

Drei Standorte

Die Forscher dieser neuen Forschergruppe beabsichtigen nun an den drei Standorten Frankfurt, Erlangen und Regensburg mit Hilfe komplementärer Ansätze an validen Tumormodellen diese komplexen molekularen und zellulären Zusammenhänge im Mikromilieu des Darmkrebses zu entschlüsseln und neue Therapiekonzepte zu testen. Die Forschergruppe umfasst neun Teilprojekte, von denen vier von Mitgliedern der Erlanger Medizinischen Fakultät geleitet werden. Ein Teilprojekt ist eine Kooperation mit dem Standort Frankfurt. Das Zentralprojekt wird gemeinsam von Prof. Dr. F. Greten und Prof. Dr. M.F. Neurath geleitet. Neben der Medizinischen Klinik 1 sind auch Wissenschaftler der Chirurgischen Klinik sowie des Lehrstuhls für Experimentelle Medizin I involviert. Prof. Dr. F. Greten erklärt:

Wir hoffen Wege zu finden, das Tumormikromilieu zu verändern, um ein besseres Ansprechen von Standardtherapien zu erreichen oder idealerweise sogar völlig neue Therapiekonzepte für die Behandlung des Dickdarmkrebses zu definieren.

Der stellvertretende Sprecher der Forschergruppe, Prof. Dr. M.F. Neurath, betont:

Mittelfristiges Ziel wird es sein, solche Konzepte in die Klinik zu überführen, um sie den Patienten zugutekommen zu lassen.

Darmkrebs: Zellen in Tumor-Umgebung sind wichtig

Diagnose und Therapie von Darmkrebs haben sich in den letzten Jahrzehnten verbessert, dennoch schlagen neuartige, gezielte Krebstherapien bei Darmkrebs weniger gut an als bei anderen Tumoren. Die Forschergruppe „Cell Plasticity in Colorectal Carcinogenesis” rückt das Milieu für Immunzellen im Darm stärker ins Blickfeld, da ein direkter Zusammenhang zwischen Entzündungen und Krebs angenommen wird. Die Forscherinnen und Forscher wollen das komplexe Signalnetzwerk in der unmittelbaren Umgebung des Darmkrebses analysieren und besser verstehen.

Verbesserung der Darmkrebstherapie

Trotz großer Fortschritte in der Diagnose und Therapie des Darmkrebses ist das klinische Ansprechen auf gezielte Therapien noch unzureichend, und Darmkrebs gehört nach wie vor zu den am häufigsten diagnostizierten Tumoren im Erwachsenenalter. Mittlerweile ist bekannt, dass nicht nur die eigentlichen Tumorzellen, sondern auch Immunzellen und Bindegewebszellen, welche die  Tumorzellen direkt umgeben und gemeinsam das sogenannte Tumormikromilieu ausbilden, einen entscheidenden Einfluss auf das Tumorwachstum haben. Die zelluläre Zusammensetzung dieses Mikromilieus und die Beschaffenheit der beteiligten Zellen ist sehr variabel und beeinflusst sich gegenseitig: bestimmte Mutationen in Tumorzellen können die Zusammensetzung des Tumorstromas verändern, und auf der anderen Seite haben Zellen aus dem Tumorstroma einen großen Einfluss auf das Wachstum der eigentlichen Tumorzellen sowie das Ansprechen von Therapien. Derzeitige Standardtherapien richten sich jedoch in der Regel nur gegen die Tumorzellen und berücksichtigen mögliche Veränderungen im Tumormikromilieu nicht.

Weitere Informationen

Prof. Dr. M. Neurath

Tel.: 09131/85-35204