Zuverlässiges Duo gegen das Gewitter im Gehirn

Epilesiechirurgie (Foto: Universitätsklinikum Erlangen)

Neurochirurgie etabliert weltweit einzigartige Diagnostikmethode bei Epilepsie

In der invasiven Epilepsiediagnostik arbeiten die Ärzte der Neurochirurgischen Klinik mit einer neuen, weltweit einzigartigen Kombination aus zwei Verfahren: Mit der rahmenlosen Stereotaxie, auch Neuronavigation genannt, können Epilepsieherde im Gehirn exakt anvisiert werden. Zusätzlich kommt die intraoperative Magnetresonanztomografie (MRT) zum Einsatz: Mithilfe der Bildgebung kontrollieren die Epilepsiechirurgen das Operationsfeld während des Eingriffs und reagieren sofort auf Veränderungen. Dank beider Verfahren lässt sich die invasive Diagnostik bei Epilepsie präzise, zeitsparend und damit für den Patienten noch schonender als bisher durchführen.

Über ein Prozent der Bevölkerung weltweit leidet unter Epilepsie. Etwa jeder dritte Betroffene wird auch mit Medikamenten nicht anfallsfrei. Der letzte Ausweg: eine Operation. Vor jedem Eingriff muss der Anfallsherd im Gehirn genau bestimmt werden. Um ihn zu lokalisieren, implantieren Neurochirurgen einigen Patienten Tiefenelektroden – dünne, biegsame Stäbchen, die anschließend die räumliche Auswertung eines Elektroenzephalogramms (EEG) erlauben.

Präzise, schnell, zuverlässig: Neuronavigation und intraoperatives MRT

Das gängigste Verfahren zum Einsetzen dieser Tiefenelektroden war bislang das minimalinvasive Verfahren der rahmengebundenen Stereotaxie. Hierbei wird vor der OP in einer aufwendigen Prozedur ein Rahmensystem an den Schädelknochen des Patienten fixiert. Diese Methode wird nun zunehmend von der rahmenlosen Stereotaxie – der sogenannten Neuronavigation – abgelöst: Auf den dauerhaften Rahmen um den Kopf des Patienten kann jetzt bei der Elektrodenimplantation verzichtet werden, was den zeitlichen und logistischen Aufwand deutlich reduziert und dem Operateur das OP-Feld voll zugänglich macht.

Bei der Neuronavigation wird das Operationsfeld, das der Neurochirurg während des Eingriffs im OP-Mikroskop vor sich sieht, mit einem vorher aufgenommenen, dreidimensionalen MRT-Bild des Gehirns verknüpft. Jeder Punkt des OP-Feldes wird also exakt einem Punkt im virtuellen Bildraum zugeordnet. So machen die Epilepsiechirurgen auch schützenswerte Funktionsareale, wie das Sprach- oder das Bewegungszentrum im Kopf des Patienten, sichtbar. Die präoperativen MRT-Bilder und das zusätzliche intraoperative MRT werden während des Eingriffs kontinuierlich miteinander „verschmolzen“.

Prof. Dr. K. Rössler, Leiter der Arbeitsgruppe Epilepsiechirurgie, erklärt:

Dank des intraoperativen MRT können wir die Lage der implantierten Elektroden permanent überprüfen und bei Bedarf sofort korrigieren, Hirnblutungen ausschließen und dem Patienten einen weiteren Eingriff ersparen.

Aufgrund der Kombination aus Neuronavigation und kontinuierlicher MRT-Überwachung konnte die frühere OP-Dauer von bis zu vier Stunden auf weniger als zwei Stunden reduziert werden. Prof. Dr. K. Rössler führt weiter aus:

So ist die Narkosezeit deutlich kürzer und die Implantation von Tiefenelektroden insgesamt für den Patienten weniger belastend. Eine gute Nachricht für die wachsende Zahl von Betroffenen, deren Epilepsie einer weiteren invasiven Abklärung bedarf.

Erst kürzlich veröffentlichten die Neurochirurgen des Uni-Klinikums Erlangen ihre Forschung zu dieser Kombinationsmethode in dem international renommierten Magazin „World Neurosurgery“ und präsentierten sie auf dem zwölften Europäischen Epilepsiekongress in Prag.

Weitere Informationen

Prof. Dr. K. Rössler

Tel.: 09131/85-33001