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Schnelle Hilfe für rund 25.000 Schlaganfallpatienten

Im Schlaganfallnetzwerk mit Telemedizin in Nordbayern STENO kooperierende Kliniken (Grafik: STENO/petitio)

Schlaganfallnetzwerk mit Telemedizin in Nordbayern STENO gilt seit zehn Jahren als wegweisende Einrichtung

Eine Erfolgsgeschichte feiert zehnten Geburtstag: Mit drei Schlaganfallzentren und elf regionalen Krankenhäusern fing das Schlaganfallnetzwerk mit Telemedizin in Nordbayern STENO im Jahr 2007 an. Heute kooperieren 18 Kliniken der Regel- und Schwerpunktversorgung in Mittel-, Ober- und Unterfranken, der Oberpfalz sowie Südthüringen mit den überregionalen Schlaganfallbehandlungszentren in Bayreuth, Erlangen und Nürnberg. Rund 25.000 Schlaganfallpatienten konnte bisher geholfen werden. Die Gesamtkoordination des Netzwerks erfolgt durch die Neurologische Klinik.

Im Flächenstaat Bayern sind die Wege zu einer spezialisierten Schlaganfallversorgung mitunter jedoch weit. Durch den Einsatz von Telemedizin können neurologische Fachkenntnisse auch außerhalb der Ballungsräume schnell verfügbar gemacht und wohnortnah eine adäquate Behandlung eingeleitet werden.Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan Schwab, Direktor der Neurologischen Klinik, erläutert:

In der Akutsituation eines Schlaganfalls zählen vor allem zwei Dinge: der frühzeitige Behandlungsbeginn und kompetentes Handeln. Die Betroffenen müssen daher umgehend versorgt werden, im Idealfall auf einer Schlaganfalleinheit, einer sogenannten Stroke Unit. Mit dem Telemedizinnetzwerk STENO wurde vor zehn Jahren ein innovativer Weg beschritten und seitdem die Schlaganfallversorgung in der Versorgungsregion kontinuierlich verbessert.

Die drei überregionalen STENO-Schlaganfallbehandlungszentren stellen in wechselnder Dienstbereitschaft rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr in der Schlaganfallbehandlung erfahrene Neurologen für die telekonsiliarische Beurteilung und Behandlung akuter Schlaganfälle in den Kliniken des Netzwerks. Prof. Dr. Dr. h.c. S. Schwab führt weiter aus:

Unabdinglich ist das Vorhandensein von flächendeckender Fachkompetenz auch in ländlicheren Regionen, um jeden Patienten auf höchstem Niveau behandeln zu können. Mit unserem Telemedizinnetzwerk ermöglichen wir seit nunmehr einem Jahrzehnt eine wohnortnahe leitliniengerechte Versorgung von Schlaganfallpatienten.

Mittels einer videogestützten neurologischen Untersuchung kann der Experte im Zentrum den Patienten mit Unterstützung des Arztes in der örtlichen Klinik befragen, untersuchen und klinisch beurteilen. In jedem Krankenhaus des Netzwerks wurde zur weiteren Behandlung der Patienten eine Schlaganfallstation eingerichtet. Hier werden die Patienten von einem spezialisierten interdisziplinären Team aus Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten betreut. STENO-Projektleiter Dr. Lorenz Breuer, Oberarzt der Neurologischen Klinik, führt aus:

Die Anzahl der Konsile hat im Laufe der vergangenen zehn Jahre deutlich zugenommen – aktuell werden durchschnittlich neun Konsile pro Tag angefragt. Außerdem stehen die drei Zentren im Falle einer erforderlichen Verlegung für eine weiterführende Therapie zur Verfügung.

Weltweit erstes zertifiziertes Zentrum

Um die Behandlungsqualität im gesamten Netzwerk dauerhaft zu sichern und stetig weiterzuentwickeln, wurden gemeinsame Standards und Verfahrensanweisungen für Diagnostik und Therapie entwickelt, und es wurde ein klinikübergreifendes Qualitätsmanagement etabliert. Als weltweit erstes telemedizinisches Schlaganfallnetzwerk wurde STENO 2011 für sein Qualitätsmanagement nach der international gültigen Qualitätsnorm DIN EN ISO 9001:2008 zertifiziert. Seitdem erfolgt eine jährliche Überprüfung der Versorgungsqualität. 2014 und 2017 wurde das Schlaganfallnetzwerk STENO erfolgreich rezertifiziert, zuletzt nach der neuen DIN EN ISO Norm 9001:2015.

STENO gilt als wegweisendes Telemedizinmodell der Schlaganfallversorgung. Derzeit werden jährlich rund 3.500 Telekonsile durchgeführt und im Netzwerk über 12.000 Patienten versorgt. Aktuell kooperieren folgende Kliniken mit den überregionalen Schlaganfallbehandlungszentren im Klinikum Bayreuth, im Universitätsklinikum Erlangen und im Klinikum Nürnberg: Klinikum Ansbach, Klinikum Coburg, Klinik Dinkelsbühl, Klinikum Forchheim, Klinikum Fürth, Klinik Gunzenhausen, Sana Klinikum Hof, Helmut-G.-Walther-Klinikum Lichtenfels, Klinik Kitzinger Land, Klinikum Kulmbach, Klinikum Fichtelgebirge – Haus Marktredwitz, Klinikum HochFranken – Klinik Münchberg, Klinikum Neumarkt i. d. OPf., Klinik Neustadt a. d. Aisch, Kreisklinik Roth, Krankenhaus Rummelsberg, MEDINOS Klinik Sonneberg und Stadtkrankenhaus Schwabach.

Telemedizinische Schlaganfallversorgung

Der Neurologe im Schlaganfallzentrum untersucht im Rahmen eines Telekonsils gemeinsam mit der lokal behandelnden Ärztin einen Schlaganfallpatienten. (Foto: M. Lorenz)

Telemedizin ermöglicht mithilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien die Überbrückung räumlicher Distanzen und kann Fachkenntnisse schnell dort verfügbar machen, wo sich der Patient befindet. Der telemedizinische Konsildienst im Schlaganfallnetzwerk STENO wird durch die Kliniken des Netzwerks im diensthabenden Zentrum angefordert. Mit Videoübertragungen in Echtzeit und paralleler Übertragung von CT- oder MRT-Bildern des Gehirns im DICOM-Format kann der Experte im Zentrum den Patienten per fernsteuerbarer Videokamera mit Unterstützung des Kollegen vor Ort untersuchen und beurteilen. Der Patient sieht den Arzt auf einem Monitor und kann über ein Mikrofon mit ihm sprechen.

Die Erkrankung Schlaganfall

In Deutschland erleiden jährlich rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Fast eine Million Bundesbürger leiden an den Folgen dieser Erkrankung. Etwa ein Drittel der Patienten verstirbt innerhalb des ersten Jahres nach dem Schlaganfall und rund die Hälfte der Überlebenden bleibt behindert und ist dauerhaft auf fremde Hilfe angewiesen. Rund 15 Prozent müssen in einer stationären Pflegeeinrichtung leben. Nach Krebs- und Herzerkrankungen ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Unbehandelt sterben bei einem Verschluss eines der hauptversorgenden Blutgefäße des Gehirns pro Minute etwa 1,9 Millionen Nervenzellen, 14 Milliarden Synapsen und 12 Kilometer Nervenfasern ab. Der möglichst rasche Behandlungsbeginn ist daher oberstes Gebot. Wenn Symptome, wie Lähmungen oder Taubheitsgefühle, Sprach- oder Sehstörungen, Schwindel und Gangunsicherheit oder plötzliche heftige Kopfschmerzen, auftreten, sollte sofort der Notarzt unter der Telefonnummer 112 verständigt werden. Auch wenn die Beschwerden schnell wieder verschwinden, sollten die Betroffenen umgehend eine Klinik aufsuchen.

Weitere Informationen

Dr. Lorenz Breuer
Tel.: 09131 85-44546