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Mit vereinten Kräften durch die Krise

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Experten des Uni-Klinikums Erlangen an sieben Projekten des Nationalen Forschungsnetzwerks der Universitätsmedizin beteiligt – Förderung durch das BMBF mit insgesamt 150 Mio. Euro

An 7 von 13 Verbundprojekten, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Nationalen Forschungsnetzwerks der Universitätsmedizin (NUM) mit insgesamt 150 Millionen Euro fördert, sind Experten des Universitätsklinikums Erlangen beteiligt. Wie Bundesministerin Anja Karliczek heute (01.10.2020) bei einer Pressekonferenz verkündete, erhalten diese 13 Forschungskooperationen für eine Dauer von zehn Monaten finanzielle Unterstützung, um ihre unterschiedlichen Ansätze zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie weiterzuverfolgen. Ziel der Anstrengungen von Spezialisten aus allen 34 deutschen Uni-Klinika ist es, die Krise in all ihren Facetten gemeinsam zu meistern. Im Fokus haben die interdisziplinären Teams insbesondere die individuelle Behandlung von Patienten, die Optimierung der Therapieoptionen bei einer SARS-CoV-2-Infektion und die Unterstützung der Entwicklung von Immunisierungsverfahren gegen das neue Coronavirus.

Beim NUM handelt es sich um ein einmaliges wissenschaftliches Projekt, wie die Bundesministerin bei dessen Vorstellung Ende März 2020 betonte. Unter seinem Dach vereinen die 34 deutschen Uni-Klinika ihre exzellente Expertise und nutzen diese noch besser als bisher, um die für Deutschland größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam zu bewältigen, so Anja Karliczek. Konkret bedeutet dies beispielsweise, dass alle Uni-Klinika die Daten ihrer COVID-19-Patienten systematisch sowie sicher erfassen und in eine gemeinsame Datenbank einpflegen. Das geteilte Wissen und der aktive Austausch untereinander sollen u. a. dazu beitragen, die Versorgung von Menschen mit einer SARS-CoV-2-Infektion schnell zu verbessern und das medizinische Personal bestmöglich zu schützten. Die 13 geförderten Verbundprojekte wurden aus Hunderten eingereichter Vorschläge ausgewählt. Koordiniert wird das NUM von der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

An folgenden sieben Projekten sind Experten des Uni-Klinikums Erlangen beteiligt:

B-FAST – Surveillance- und Teststrategie-Plattform

Das Verbundprojekt B-FAST hat das Ziel, eine nachhaltig einsetzbare, skalierbare und auf zukünftige Pandemien übertragbare Surveillance- und Teststrategie zu entwickeln und in unterschiedlichen Anwendungsbereichen zu erproben. Aufgabe des Erlanger Projektpartners Prof. Dr. Klaus Überla (Direktor des Virologischen Instituts – Klinische und Molekulare Virologie des Uni-Klinikums Erlangen) ist es, für die Antikörpertestung gegen SARS-CoV-2 Standardreagenzien zu entwickeln, die es erlauben, die Leistungsfähigkeit der Testsysteme unterschiedlicher Hersteller zu vergleichen und standortübergreifend zu harmonisieren. Gleichzeitig ermöglicht Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch (Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Informatik der FAU Erlangen-Nürnberg und CIO des Uni-Klinikums Erlangen) die Nutzbarmachung Erlanger Daten für die NUM-Datenplattform.

COVIM – Immunologie-Plattform

COVIM dient dem Verständnis schützender Immunität gegen SARS-CoV-2 und es schafft Strukturen zur schnellen und effizienten Nutzbarmachung von immunologischen Schutzmechanismen für die klinische Anwendung. Die Erlanger Projektpartner Prof. Dr. Hans-Martin Jäck (Leiter der Molekular-Immunologischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen), Prof. Dr. Klaus Überla (Direktor des Virologischen Instituts – Klinische und Molekulare Virologie des Uni-Klinikums Erlangen) und Prof. Dr. Thomas Winkler (Inhaber der Professur für Genetik der FAU Erlangen-Nürnberg) optimieren im Rahmen von COVIM die rasche Gewinnung schützender Antikörper gegen neue Infektionserreger durch Impfung von Mäusen mit einem menschlichen Antikörper-Repertoire.

DEFEAT PANDEMIcs – Autopsie-Plattform

Obduktionen durch Pathologen haben wesentliche neue Erkenntnisse zur COVID-19-Erkrankung erzielt. Es wurde gezeigt, dass spezifische Grunderkrankungen häufig mit einem schweren Verlauf der Erkrankung assoziiert sind, die meisten Patienten aber an und nicht mit der Infektion versterben. Das Ziel von DEFEAT PANDEMIcs ist der Aufbau eines deutschlandweiten Obduktionsnetzwerks für den Pandemiefall, um systematisch Daten, Materialien und Erkenntnisse möglichst vollständig, umfassend und zeitnah zu erfassen. Über das Netzwerk werden die Generierung und Verbreitung von Evidenz zum Umgang mit Epidemien und zur Unterstützung eines Krisenmanagements durch die Erarbeitung standardisierter Vorgehensweisen erreicht. DEFEAT PANDEMIcs liefert so einen wertvollen Beitrag zur Bewältigung der aktuellen COVID-19-Pandemie sowie zur schnellen Reaktion auf künftige Pandemien. Erlanger Projektpartner ist Prof. Dr. Arndt Hartmann (Direktor des Pathologischen Instituts des Uni-Klinikums Erlangen).

EViPan Unimed – Pandemiemanagement

Das EViPan-Projekt hat das Ziel, die Mitarbeitergesundheit während der Pandemie zu sichern. Arbeitsausfälle, etwa durch Infektionen der Mitarbeiter oder infolge von psychischen Belastungen, sollen präventiv verhindert werden. In einem Teilprojekt in diesem Verbund leitet Prof. Dr. (TR) Yesim Erim (Leiterin der Psychosomatischen und Psychotherapeutischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen) die webbasierte Befragung „Analysen der psychischen Gesundheit und standardisierte Evaluationsmethodik zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit“. Zum ersten Messzeitpunkt hatten 8.000 Personen aus dem Gesundheitswesen an der Studie teilgenommen und Fragen zu psychischen Belastungen, aber auch zu Quellen der persönlichen Resilienz beantwortet. Gleichzeitig wurden Aspekte zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und situative arbeitsplatzbezogene Belastungen untersucht.

FoDaPl – Forschungsdatenplattform

Mit der Forschungsdatenplattform (FoDaPl) wird eine sichere, erweiterbare und interoperable Plattform zur Bereitstellung von Forschungsdaten zu COVID-19 aufgebaut, die bundesweit alle Uni-Klinika verbindet. So sollen der Wissenschaft strukturierte Daten mit hoher Qualität zur Verfügung gestellt und damit neuartige Auswertungen ermöglicht werden. Aus unterschiedlichen Datenquellen soll eine möglichst kurzfristig verfügbare Datenbasis geschaffen werden, die den Anforderungen der Forschungsethik (sog. FAIR-Prinzipien) und der EU-Datenschutzgrundverordnung entspricht. Dazu werden die Datenintegrationszentren aus der Medizininformatik-Initiative (MII) – insbesondere eine Reihe von Tools, die im von Erlangen koordinierten MIRACUM-Konsortium entstanden – genutzt. Mit der Plattform sollen auch komplexe Forschungsfragen beantwortet und die Patientenversorgung unterstützt werden. Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch (Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Informatik der FAU Erlangen-Nürnberg und CIO des Uni-Klinikums Erlangen) übernimmt in diesem Projekt die Koordination der Entwicklung und Verteilung der dezentralen Komponenten. Klinische und Forschungsdaten des Uni-Klinikums Erlangen werden hierfür federführend von der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus F. Neurath; stv. Direktor: PD Dr. Richard Strauß; Taskforce Manager: PD Dr. Andreas Kremer) erfasst.

PallPan – Palliativmedizin

Auch in Pandemiezeiten ist die Versorgung von Schwerkranken und Sterbenden wichtig. In der aktuellen Pandemie war dieser Bereich nicht im Fokus und eine angemessene Versorgung nur mit Einschränkungen möglich. PallPan wird Empfehlungen erarbeiten, um hierauf in zukünftigen Pandemiephasen besser vorbereitet zu sein. Das Uni-Klinikum Erlangen ist unter der Federführung von Prof. Dr. Christoph Ostgathe (Leiter der Palliativmedizinischen Abteilung des Uni-Klinikums Erlangen) an einem Teilprojekt beteiligt, das in den Krisenstäben die Berücksichtigung der Situation der Versorgung von schwer kranken, sterbenden und trauernden Menschen mit und ohne COVID-19 untersucht. Prof. Ostgathe betont: „Palliativversorgung endet nicht mit Beginn einer Krise. Im Gegenteil: Der Bedarf nimmt zu. Daher sollte auch in Krisenstäben die Palliativversorgung berücksichtigt werden.“

RACOON – Radiologie-Plattform

Im Verlauf von Lungeninfektionen kann die radiologische Bildgebung an mehreren Weichen eine entscheidende Rolle spielen. Die hohe Verfügbarkeit und die schnellen, verlässlichen Ergebnisse lassen ihr eine Schlüsselrolle in der Pandemiebewältigung zukommen. Die infrastrukturelle Vernetzung aller Uni-Klinika eines Landes zur Erhebung von Lungenveränderungen ist weltweit einzigartig. Strukturierte Befundung, Annotation und 3-D-Segmentierung werten die Datenqualität entscheidend auf und versprechen so epidemiologische Kenntnisse, die frühzeitige Erkennung von Hotspots und die automatisierte Auswertung mittels künstlicher Intelligenz. Damit kann zum einen COVID-19 besser verstanden und bekämpft, zum anderen eine „Pandemic Preparedness“ für zukünftige Bedrohungen hergestellt werden. Das Erlanger Teilprojekt von RACOON (Radiological COOperative Network) wird von Prof. Dr. Michael Uder (Direktor des Radiologischen Instituts des Uni-Klinikums Erlangen) und PD Dr. Matthias May (Oberarzt des Radiologischen Instituts des Uni-Klinikums Erlangen) geleitet.

Ausführliche Informationen über das Nationale Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin finden sich auf dessen Website: www.netzwerk-universitaetsmedizin.de

Weitere Informationen:

PD Dr. Andreas Kremer
Teledon: 09131 85-35000
E-Mail: andreas.kremeratuk-erlangen.de

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