„Ich bin so frei … und lerne beim Landarzt“

Bild: FAU/David Hartfiel

Universitätsklinikum und oberfränkische Partner werben bei Medizinstudenten für eine Zukunft als Hausarzt auf dem Land

Ein attraktiver Lebens- und Arbeitsraum, eine überzeugende Work-Life-Balance und eine hervorragende klinische Infrastruktur: Mit diesen und vielen weiteren guten Argumenten wird Medizinstudenten die Tätigkeit als Hausarzt auf dem oberfränkischen Land schmackhaft gemacht. Dass es sich dabei nicht nur um große Versprechungen, sondern tatsächlich um einen sehr spannenden Beruf handelt, erfuhren rund 20 Medizinstudenten bei einem Informationstag Mitte Oktober aus erster Hand. Eingeladen hatten das Allgemeinmedizinische Institut (Direktor: Prof. Dr. Thomas Kühlein) am Universitätsklinikum Erlangen, der Oberfranken Offensiv e. V. und der Bezirk Oberfranken des Bayerischen Hausärzteverbandes.

Auch Bayerns Gesundheitsministerin ist es ein großes Anliegen, mehr Nachwuchsmediziner für eine hausärztliche Tätigkeit auf dem Land zu gewinnen. Melanie Huml betonte gegenüber den Studenten, die sich kurz vor dem Abschluss ihres Studiums im sogenannten Praktischen Jahr befinden: „Hausärzte sind und bleiben das Rückgrat der ambulanten Versorgung in der Fläche. Deshalb brauchen wir Anreize, um Medizinstudenten für die Tätigkeit als Hausarzt zu begeistern und zu gewinnen. Wichtig sind dabei auch Informationen über den Alltag in einer allgemeinmedizinischen Praxis und über die Möglichkeiten der Weiterbildung an einer Klinik im ländlichen Raum.“

Die hausärztliche Versorgung ist – nicht nur – in Oberfranken eine wichtige Zukunftsaufgabe. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass in einer Reihe von Gemeinden Strategien und Maßnahmen erforderlich sind, um die allgemeinmedizinische Versorgung in den nächsten Jahren zu sichern. Bedingt durch die Altersstruktur der derzeit praktizierenden Ärzte werden in den kommenden Jahren vielerorts Praxis- Nachfolger gesucht. Deswegen war es den Veranstaltern des Informationstags „Meine Zukunft als junger Hausarzt auf dem Land“ auch besonders wichtig, dass die teilnehmenden Medizinstudenten die Vorzüge einer Praxis im ländlichen Raum kennenlernen und Informationen aus erster Hand erhalten.

Hausarztluft schnuppern

Einblicke in den Alltag eines Allgemeinmediziners im ländlichen Raum erhielten die angehenden Ärzte im praktischen Teil des Informationstags: Gemeinsam besuchten sie die allgemeinmedizinische Praxis Dr. Christoph Ott in Zapfendorf. Außerdem konnten sie sich bei einem Rundgang durch die Juraklinik Scheßlitz einen Eindruck von deren hochmoderner Ausstattung verschaffen und mit dem 3-D-Operationsturm selbst einen Dummy „operieren“. Die Chefärzte verschiedener Abteilungen der Gemeinnützigen Krankenhausgesellschaft des Landkreises Bamberg sowie ein Vertreter des Weiterbildungsverbundes Allgemeinmedizin Bamberg informierten die Medizinstudenten zusätzlich über die Möglichkeiten der Weiterbildung in den Kliniken des Landkreises Bamberg: der Juraklinik Scheßlitz und der Steigerwaldklinik Burgebrach.

„Wir wollen junge Mediziner für eine Praxisgründung oder -übernahme im ländlichen Raum gewinnen“, bekräftigte die bayerische Gesundheitsministerin zum Abschluss noch einmal. „Auch dort sollen sich die Menschen auf eine wohnortsnahe hochwertige medizinische Versorgung verlassen können.“ Und die Vorsitzende des Bezirks Oberfranken des Bayerischen Hausärzteverbands, Dr. Petra Reis-Berkowicz, ergänzte wertvolle Hinweise zum staatlichen Förderprogramm für den Erhalt und zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung vor allem im ländlichen Raum.

Förderung durch den Freistaat

Das Förderprogramm der bayerischen Staatsregierung hat drei Säulen. So gibt es ein Stipendium für Medizinstudierende, die bereit sind, während ihrer Weiterbildung und anschließend als Fachärzte mindestens fünf Jahre lang im ländlichen Raum tätig zu sein. Ferner werden innovative medizinische Versorgungskonzepte gefördert. Zudem wird die Niederlassung von Haus- und Fachärzten im ländlichen Raum unterstützt. Für das Förderprogramm standen in den vergangenen drei Jahren insgesamt 15,5 Millionen Euro zur Verfügung, im Doppelhaushalt 2015/2016 sind dafür 11,7 Millionen Euro vorgesehen.

Weitere Informationen:

Corina Machnitzke

Tel.: 09131 85-45764