Wie sich Krebs im Körper ausbreitet

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Experimentelle Mediziner identifizieren Mechanismus, der zur Entstehung besonders bösartiger Krebstypen führt

Die schnelle Bildung von Metastasen und Therapieresistenz ist charakteristisch für aggressive Tumorarten, wie beispielsweise  Bauchspeicheldrüsenkrebs und bestimmte Arten von Brustkrebs. Sie ist auch die Haupttodesursache bei Krebserkrankungen. Denn zurzeit gibt es noch keine spezifische Therapie, die verhindert, dass sich Tumoren im gesamten Körper ausbreiten. Wissenschaftler am Lehrstuhl für Experimentelle Medizin I haben nun eine Entdeckung gemacht, die dies ändern könnte: Sie haben einen Mechanismus entdeckt, der sowohl die Bildung von Metastasen fördert als auch zu einer Therapieresistenz führt. Darauf aufbauend haben sie ein Genset definiert, dass auf eine besonders schlechte Prognose bei Brustkrebs schließen lässt. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Um Metastasen bilden zu können, müssen in Tumorzellen zwei wesentliche Eigenschaften aktiviert werden: Zum einen die Fähigkeit, sich im Körper auszubreiten; zum anderen die Fähigkeit, an entfernter Stelle im Körper wieder Tumoren, also Metastasen, zu bilden.  Zudem müssen solche Tumorzellen besonders überlebensfähig sein, eine Eigenschaft, die ihnen auch gesteigerte Therapieresistenz verleiht. Die Forscher um Prof. Dr. T. Brabletz vom Lehrstuhl für Experimentelle Medizin I haben nun nachgewiesen, dass diese Eigenschaften durch die Verknüpfung  zweier grundlegender embryonaler Signalwege aktiviert werden: dem EMT- und dem HIPPO-Signalweg. Indem ihre beiden Schlüsselmoleküle ZEB1 und YAP direkt miteinander interagieren, aktivieren sie eine Vielzahl an Genen, die für aggressives Tumorwachstum nötig sind. Aus dieser Menge an Genen konnte die Arbeitsgruppe ein Set von acht Genen identifizieren, dessen Aktivierung mit einem besonders aggressiven Verlauf bei Brustkrebs einhergeht.  Auf dieser Basis sollen nun biologische Merkmale, die auf aggressive Tumore hinweisen – so genannte Prognosemarker – bestimmt  und somit die klinische Relevanz des entdeckten Mechanismus bestätigen werden.

Da die beiden Schlüsselmoleküle ZEB1 und YAP nur in Kombination miteinander ihr fatales Potenzial entfalten, wollen die Wissenschaftler in weiterführenden Arbeiten nach Hemmstoffen suchen, die diese Interaktion hemmen. Ihr langfristiges Ziel ist es, auf dieser Basis neue Therapiekonzepte für aggressive Krebstypen zu entwickeln.

Originalveröffentlichung

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Prof. Dr. Thomas Brabletz

Tel.: 09131/85-29104