Gemeinsam gegen seltene Pilzerkrankungen

Foto: UK Erlangen

FungiResearch: europäische Forschungsplattform für klinische Antimykotika-Entwicklung gegründet

Invasive Pilzinfektionen sind vergleichbar selten, enden aber bei immungeschwächten und schwerstkranken Patienten oft tödlich. Die Entwicklung und Zulassung von geeigneten Pilzmitteln, sogenannten Antimykotika, stellt Forscher vor eine besondere Herausforderung. Um die Behandlung betroffener Patienten in diesem hoch spezialisierten Bereich zu beschleunigen, haben sich sechs Forschungs- und Behandlungszentren zusammengetan, um vernetzt und übergreifend Antimykotika zu entwickeln und beschleunigt in die Anwendung zu bringen. Zu den Gründungszentren gehören neben der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie auch die Uni-Klinika Aachen, Köln, München und Würzburg sowie das Städtische Klinikum München-Neuperlach.

Für die meisten Pilze gibt es keine Standardbehandlungen. Infektionen durch Schimmelpilze können bei Aspergillose Organe, wie Nasennebenhöhlen, Leber und Lunge, bei Mukormykose auch Augen und Hirn befallen. Therapieoptionen existieren sehr eingeschränkt. Das besondere Problem: Invasive Pilzerkrankungen sind selten und daher schwer zu untersuchen. Es gibt vergleichsweise wenig Patienten (1:10.000), die jedoch schnellstens behandelt werden müssen. Eine rasche Zulassung ist notwendig, um Patienten außerhalb von klinischen Studien neue wirksame Medikamente zugänglich machen zu können. Und: Es wird zukünftig immer mehr immunsupprimierte Patienten – beispielsweise Krebspatienten nach einer Chemotherapie – geben, für die ohne schnelle Behandlung jede Hilfe zu spät kommt.

Das Netzwerk FungiResearch knüpft an eine erfolgreiche internationale Zusammenarbeit im Bereich „seltene Pilzerkrankungen“ an: der Zulassung des Antimykotikums Isavuconazol durch die Arzneimittelzulassungsbehörde der USA (FDA) und die europäische Arzneimittelagentur (EMA) im Oktober 2015. Für die Zulassung musste eine vergleichbare oder überlegene Wirkung gegenüber einer Vergleichsgruppe belegt werden. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor dabei war der Zugriff auf die Daten- und Probenbank FungiScope, die von Infektiologen um Prof. Dr. Oliver Cornely,  Leiter des Zentrums für Klinische Studien am Uni-Klinikum Köln, entwickelt wurde. FungiScope umfasst mittlerweile 693 seltene Fälle unterschiedlicher Pilzinfektionen aus 66 Ländern und gilt weltweit als einzige große Vergleichsdatenbank dieser Art. Sie eröffnet u. a. Medizinern neue Erkenntnisse und Rückschlüsse auf die Behandlung ihrer Patienten: Der Vergleich mit Patienten aus dem FungiScope-Register konnte bei Isavuconazol (Handelsname: Cresemba®) zeigen, dass das neue Medikament ähnlich effektiv gegen Mukormykosen wirkt wie der üblicherweise eingesetzte, aber relativ toxische Wirkstoff Amphotericin.

Das stetig wachsende Netzwerk von Experten mündet mit FungiResearch in einen systematisch agierenden Forschungsverbund, um zukünftig noch schneller auf den klinischen Bedarf nach „Orphan Drugs“ für Pilzerkrankungen reagieren zu können. Der Infektiologe Prof. Dr. O. Cornely ist Initiator und Gründungsmitglied von FungiResearch:

Wir wollen mit unserem kontinuierlich wachsenden Netzwerk spezialisierter Forscher den Weg für neue Therapien zu extrem seltenen Pilzinfektionen ebnen. Durch Austausch, Vernetzung und über gemeinsame Studienprojekte beschleunigen wir nicht nur akademische klinische Forschung, sondern sind auch ein hochinteressanter Forschungspartner für Unternehmen weltweit, die Orphan Drugs im Bereich Pilzinfektionen entwickeln und in die Anwendung bringen wollen.

FungiResearch: Gründungszentren im Überblick

  • Uniklinik RWTH Aachen, Klinik für Hämatologie, Onkologie, Hämostaseologie und Stammzelltransplantation (Med. Klinik IV), Dr. Jens Panse
  • Universitätsklinikum Köln, Klinik I für Innere Medizin und CECAD, Prof. Dr. Oliver Cornely
  • Universitätsklinikum Köln, Zentrum für Pharmakologie, PD Dr. Carsten Müller
  • Universität zu Köln, Zentrum für Klinische Studien Köln, Dr. Endrik Limburg
  • Universitätsklinikum Erlangen, Medizinische Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie, Prof. Dr. Stefan Krause
  • Klinikum der Universität München, Medizinische Klinik und Poliklinik III, Prof. Dr. Helmut Ostermann
  • Städtisches Klinikum München – Klinikum Neuperlach, Klinik für Hämatologie und Onkologie, Prof. Dr. Meinolf Karthaus
  • Universitätsklinikum Würzburg, Medizinische Klinik und Poliklinik II, PD Dr. Werner Heinz

Weitere Informationen

Prof. Dr. Andreas Mackensen
Tel.: 09131 85-35954