Navigation

Hoffnung auf ein eigenes Kind trotz Krebs

Bereits zum 100. Mal transplantierten Ärzte des Universitäts-Fortpflanzungszentrums Franken erfolgreich Eierstockgewebe

Eine Familie zu gründen, liegt in der Natur der meisten Menschen. Aber der Weg zum eigenen Kind kann mitunter sehr steinig sein. Erkrankt eine Frau etwa an Krebs, wird ihre Fruchtbarkeit durch medikamentöse Therapie und Bestrahlung erheblich beeinträchtigt. Doch auch wenn die Erfüllung des Kinderwunsches nach erfolgreicher Krebsbehandlung aussichtslos scheint, gibt es ein inzwischen etabliertes Verfahren, das Mut macht: die Transplantation von tiefgefrorenem Eierstockgewebe. Ärzte des Universitäts-Fortpflanzungszentrums Franken (Sprecher: Prof. Dr. Matthias W. Beckmann) konnten dadurch nun bereits der 100. Frau zu neuer Fruchtbarkeit verhelfen. Dafür transplantierten sie gesundes Ovarialgewebe, das sie der Patientin vor Beginn der Krebstherapie entnommen hatten.

Ein eigenes Kind wollten auch Sandra M. und ihr Mann David immer haben. Als die Braunschweigerin im Alter von 38 Jahren jedoch an Brustkrebs erkrankte, geriet nicht nur ihr Kinderwunsch ins Wanken, sondern ihr ganzes Leben. Von jetzt auf gleich musste sie sich mit Themen wie Chemotherapie, Bestrahlung und Tumor-OP auseinandersetzen. „An Familienplanung war im Moment der Krebsdiagnose überhaupt nicht zu denken“, sagt Sandra M. heute. „Mein behandelnder Onkologe hat uns aber zum Glück darüber aufgeklärt, dass meine Fruchtbarkeit durch die Chemo Schaden nehmen wird. Er hat deshalb empfohlen, uns im Vorfeld der Therapie von Spezialisten behandeln zu lassen. Die Wahl fiel auf das Universitätsklinikum Erlangen, da die Forschung in diesem Bereich bereits damals schon sehr innovativ war. Auch wenn zwischen Braunschweig und Erlangen 430 Kilometer liegen, haben wir den Weg gern auf uns genommen.“

Um die Chance auf eine Schwangerschaft nach der Krebsbehandlung zu erhöhen, können neben dem Eierstockgewebe auch Eizellen eingefroren werden. „Diese Therapie setzt allerdings eine hormonelle Stimulationsbehandlung voraus“, erklärt Prof. Dr. Matthias Beckmann, Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen. „Bei Sandra M. war das jedoch nicht möglich, weil die Chemotherapie sehr schnell erfolgen musste. Die Zeit, die nötig ist, um die Eizellen im Körper heranreifen zu lassen, war nicht gegeben. Die Kryokonservierung, also das Einfrieren von Eierstockgewebe in flüssigem Stickstoff, ist hingegen innerhalb von 48 Stunden abgeschlossen, was genau in solchen Fällen ein entscheidender Vorteil ist. Das Verfahren hat sich inzwischen bewährt, wird aber nur in wenigen spezialisierten Kliniken in Deutschland angeboten.“

Mutterglück auf Eis

Das konservierte Gewebe kann prinzipiell unendlich lange aufbewahrt werden, ohne Schaden zu nehmen. Nach fast sechs Jahren erfolgreicher Brustkrebstherapie ließ sich Sandra M. jetzt das Eierstockgewebe wieder transplantieren. „Hinter jeder Transplantation steht das Schicksal einer ganzen Familie“, sagt Prof. Beckmann. „Deshalb legen wir größten Wert darauf, jede unserer Patientinnen mit der nötigen Sensibilität und Menschlichkeit zu behandeln.“ Das betonen auch Sandra M. und ihr Mann David: „Wir wurden jederzeit liebevoll umsorgt und haben sogar ein Herzkissen bekommen, das für Brustkrebspatientinnen ein praktischer Alltagshelfer ist. So war die lange Rückfahrt mit dem Auto nach Braunschweig viel besser zu bewältigen, weil der Anschnallgurt nirgends drückte.“ Das Paar hofft nun, auf natürlichem Weg schwanger zu werden.

Mit ca. 1.500 Konservierungen ist Erlangen eines der größten Lager für Ovarialgewebe in Deutschland. „Dabei sind die Gründe zum Einfrieren von Eierstockgewebe vielfältig“, erklärt Prof. Dr. Ralf Dittrich, wissenschaftlicher Leiter der Reproduktionsmedizin des Universitätsklinikums Erlangen. „Neben der Wiederherstellung der Fertilität infolge einer Tumorerkrankung wird das Verfahren auch angewendet, wenn sich die Ovarialreserve verringert und somit die Menopause vorzeitig eintritt. Außerdem kommt es zum Einsatz, wenn es um das Thema Social Freezing geht, also darum, dass Frauen mit dem Kinderkriegen so lange warten wollen, bis das Arbeits- oder Privatleben ein Kind zulässt oder der richtige Partner gefunden ist.“ Auch diese Frauen können am Uni-Klinikum Erlangen Eizellen oder Ovarialgewebe einfrieren lassen und zu einem späteren Zeitpunkt schwanger werden.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Ralf Dittrich

Tel.: 09131 85-33553

ralf.dittrich@uk-erlangen.de

Alle Pressemitteilungen sowie Pressebilder finden Sie auch unter http://www.fau.de/tag/presse-6/

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Kommunikation und Presse

Schlossplatz 4

91054 Erlangen, Germany

Tel: +49 9131 85-70229

Fax: +49 9131 85-70220

Hier gelangen Sie zum Originalbericht.