Informationen für Betreuer, Prüfer und Gutacher

Leitfaden für Betreuerinnen und Betreuer

Vor der Übernahme einer Doktoranden-Betreuung sollte darauf geachtet werden, dass das gewählte Thema eine ausreichende fachliche Nähe zu den eigenen Forschungsgebieten aufweist und dass genügend zeitliche Ressourcen vorhanden sind, um die  Betreuung zu übernehmen. Die Betreuerin sollte sicherstellen, dass das gewählte Thema vom Doktoranden in einem angemessenen Zeitrahmen bewältigt werden kann. 

Eine Hochschullehrerin bzw. ein Hochschullehrer ist nicht dazu verpflichtet, die Betreuung einer Doktorandin oder eines Doktoranden zu übernehmen und kann sie aus sachlichen Gründen ablehnen. Das kann der Fall sein, wenn die Bewerberin oder der Bewerber nicht über die erforderlichen wissenschaftlichen Vorkenntnisse verfügt, die für eine erfolgversprechende Bearbeitung ihres oder seines Themas notwendig sind, oder wenn die eigenen zeitlichen Kapazitäten nicht ausreichen, um weitere Doktorandinnen und Doktoranden adäquat zu betreuen.

Die Doktoranden-Betreuungsvereinbarung

Die Doktoranden-Betreuungsvereinbarung soll helfen, die Rahmenbedingungen für die Promotionsarbeit festzulegen, um spätere Missverständnisse zu vermeiden. Eine formale Voraussetzung für die Promotion ist sie nicht. Die Doktoranden-Betreuungsvereinbarung muss nicht im Promotionsbüro oder im Doktoranden-Service-Center abgegeben werden, und sie hat keine rechtlich bindenden Konsequenzen.

Das Dokument steht im Bereich „Downloads“ zur Verfügung.

Laut RPromO §5, Abs. 2 können Betreuerin oder Betreuer sein:

  • Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer (Art. 2 Abs. 3 Satz 1 BayHSchPG), die Mitglieder oder externe Mitglieder der Medizinischen Fakultät in Erlangen sind
  • Entpflichtete Professoren oder im Ruhestand befindliche Professoren, die Mitglied oder Zweitmitglied der Medizinischen Fakultät waren
  • Sonderfälle und Ausnahmen regelt die Promotionsordnung.

D. h. der (Erst-)Betreuer der Arbeit („Doktorvater“ oder „Doktormutter“) muss habilitiert sein. Häufig wird der Erstbetreuer oder die Erstbetreuerin durch einen Assistenten oder Postdoc unterstützt, der dem Doktoranden zur Seite steht und ihn bei der täglichen Arbeit betreut („day-by-day“-Betreuer). Wichtig: Bei der Anmeldung der Promotion in der Promovierendendatenbank „docDaten“ der FAU muss der habilitierte Erstbetreuer (nicht der „day-by-day“-Betreuer) angegeben werden. Darauf sollte der Promovierende gegebenenfalls von der Betreuerin oder vom Betreuer hingewiesen werden.

Je nach Dissertationsthema müssen die folgenden Fragen vom Betreuer im Vorfeld geklärt bzw. dem Promovierenden erläutert werden:

  • Muss ein Votum der Ethikkommission eingeholt werden?
  • Muss der Promovierende den FELASA-Kurs besuchen? Aufklärung zum Thema Tierschutz
  • Erläuterungen zum Datenschutz und zum Umgang mit Patientendaten
  • Sicherheitsbelehrung (alleiniger Aufenthalt im Labor, Feuerlöscher, Augendusche, Verhalten bei Feueralarm usw.)
  • Verpflichtung zur Führung eines Laborbuches (Datum, Aufbewahrung, Verbleib)
  • Belehrung zu Gentechnik und Strahlenschutz
  • Versicherungsschutz des Doktoranden (immatrikulierte Doktoranden sind rund um die Uhr unfallversichert)

 Auszüge aus den DFG Richtlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis

  • Die beim Zusammenwirken in Arbeitsgruppen in spezialisierter Arbeitsteilung erzielten Ergebnisse müssen wechselseitig mitgeteilt, kritisiert und in einen gemeinsamen Kenntnisstand integriert werden können. Dies ist auch für die Ausbildung der Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in der Gruppe zur Selbstständigkeit besonders wichtig.
  • Geregelte Organisationsform (z. B. regelmäßige Kolloquien) zur wechselseitigen Überprüfung von Arbeitsergebnissen. Primärer Test zur Reproduzierbarkeit, unabhängige Wiederholung in der Gruppe. Sorgfältige Qualitätssicherung ist ein Merkmal wissenschaftlicher Redlichkeit.
  • Die Leitung einer Arbeitsgruppe verlangt Präsenz und Überblick oder Delegation, wenn zu groß. Kontrolle muss möglich sein!
  • Für jede Nachwuchswissenschaftlerin und jeden Nachwuchswissenschaftler muss es eine primäre Ansprechperson geben.
  • Wer eine Arbeitsgruppe leitet, trägt Verantwortung.
  • Zwei weitere erfahrenere Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler für Rat und Hilfe und bei Bedarf zur Vermittlung in Konfliktsituationen und um Arbeitsfortschritt in jährlichen Abständen zu diskutieren; sie sollten örtlich erreichbar, aber nicht zwingend derselben Arbeitsgruppe/Fakultät/Institution angehören.
  • Der Betreuer muss sicherstellen, dass das Forschungsprojekt in einem angemessenen Zeitrahmen bearbeitet werden kann.
  • Betreuungskonzept inklusive Maßnahmen zur Unterstützung der weiteren Karriereplanung (Informationen über Wissenschaftsorganisation, peer review Verfahren, Gutachtersystem, Impact factor, Habilitation, Berufung, jedoch auch außeruniversitäre Möglichkeiten)

Richtlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der FAU

Die Betreuerin oder der Betreuer sollte dem Promovierenden zu Beginn des Betreuungsverhältnisses die Richtlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis erläutern.

Auszüge aus den Richtlinien:

1. Abschnitt

§1 Allgemeine Grundsätze zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis (FAU)
Um die Nachvollziehbarkeit und gegebenenfalls Wiederholbarkeit von Untersuchungen sicherzustellen, ist eine sorgfältige Dokumentation der einzelnen Methoden, Verfahren und Befunde erforderlich.

Die einer veröffentlichten Untersuchung zugrunde liegenden Primärdaten und Versuchsprotokolle sollen auf haltbaren und gesicherten Trägern für 10 Jahre in der Einrichtung, in der sie erhoben beziehungsweise angefertigt worden sind, aufbewahrt werden.

§2 Verantwortungsvolle Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses
Die im Rahmen von Forschungsprojekten eingesetzten Promovenden, Graduierten und Studierenden haben einen Anspruch auf regelmäßige wissenschaftliche Beratung und Unterstützung durch Betreuer oder Leiter von Arbeitsgruppen. Sie sind ihrerseits zu verantwortungsvoller Arbeit und zur Kollegialität verpflichtet.
Der jeweilige Anteil der am wissenschaftlichen Gesamtvorhaben Beteiligten muss dokumentiert sein.
Die Fakultäten haben sicherzustellen, dass die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis fester Bestandteil der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses sind.

2. Abschnitt

Im zweiten Abschnitt der Richtlinien wird beschrieben, wie das Verfahren zur Untersuchung von Verdachtsfällen auf wissenschaftliches Fehlverhalten abläuft. Unter anderem wird die  Funktion des Ombudsmannes, der Kommission zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens, der Ablauf der förmlichen Untersuchung, der Katalog von Fehlverhaltensweisen und der Katalog möglicher Sanktionen beschrieben.

In der Fakultätspromotionsordnung §10, Abs. 2 (Dr. med. und Dr. med. dent.)  bzw. Abs. 3 (Dr. rer. biol. hum.) sind die Kriterien beschrieben, unter denen bereits veröffentlichte wiss. Arbeit(en), die in ihrer Gesamtheit den Anforderungen an eine Dissertation entspricht bzw. entsprechen, im Rahmen eines Promotionsverfahren anstelle einer Dissertation in Monographieform für eine (kumulative) (Publikations-)Dissertation verwendet werden können.

Kriterien Publikationsdissertationen (Dr. med. und Dr. med. dent.):

  • Promovierender muss als Erstautor genannt werden (bei geteilter Erstautorenschaft an erster Stelle genannt)
  • Der Betreuer ist verantwortlich für die Auswahl eines anerkannten Publikationsorgans (Listung in Zitationsdatenbanken wie PubMed oder SCI verpflichtend)
  • Der Impact Factor ist nicht relevant
  • Sprache (Deutsch oder Englisch) ist nicht relevant
  • Eine Publikation reicht aus (für Dr. med./Dr. med. dent.), kumulative Dissertation ist möglich (mindestens eine Erstautorenschaft notwendig)
  • Bei einer Publikation in englischer Sprache muss eine ausführliche Zusammenfassung und eine ausführliche Einordnung in den fachwissenschaftlichen Kontext auf Deutsch (10 – 25 Seiten) beigelegt werden.
  • Bei ausgezeichneten Publikationsdissertationen, die im Bereich einer „summa cum laude“-Bewertung liegen, muss der Doktorand für die Vergabe eines „summa cum laude“ die alleinige Erstautorschaft besitzen.

Eine Dissertationsschrift kann, sie muss aber nicht publiziert werden. Eine Doktorarbeit kann jederzeit in Absprache mit dem Betreuer als Monographie im Promotionsbüro abgegeben werden.

Kriterien für kumulative Dissertationen (Dr. rer. biol. hum.):

  • Eine Mehrzahl von Publikationen unter Beteiligung des Doktoranden kann zu einer kumulativen Dissertation zusammengefasst werden.
  • Promovierender muss bei mindestens zwei Publikationen die Erstautorenschaft innehaben.
  • Der Betreuer ist verantwortlich für die Auswahl eines anerkannten Publikationsorgans (Listung in Zitationsdatenbanken wie PubMed, SCI, SSCI oder ACI verpflichtend)
  • Der Impact Factor ist nicht relevant
  • Sprache (Deutsch oder Englisch) ist nicht relevant
  • Die Publikationen müssen – sofern sie noch nicht veröffentlicht sind – nachweislich zur Publikation angenommen worden sein. Nachweis muss durch schriftliche Bestätigung des Verlags geführt werden (Mail reicht).
  • Bei Publikationen in englischer Sprache muss eine Zusammenfassung (1 – 2 S.) und ausführliche Einleitung mit einer Einordnung in den fachwissenschaftlichen Kontext und Darlegung des thematischen Zusammenhangs der Publikationen auf Deutsch (10 – 25 S.) beigelegt werden.
  • Für die Vergabe einer „summa cum laude“-Bewertung muss der Doktorand die alleinige Erstautorschaft bei mindestens einer Publikation besitzen.
  • Eine Dissertationsschrift kann, sie muss aber nicht publiziert werden. Eine Doktorarbeit kann jederzeit in Absprache mit dem Betreuer als Monographie im Promotionsbüro abgegeben werden.

Pflicht zur Kennzeichnung einer veröffentlichten Doktorarbeit

Wird die Arbeit in einem wissenschaftlichen Fachjournal oder in Buchformat veröffentlicht, muss sie dort als Bestandteil einer Dissertationsschrift gekennzeichnet werden (FPromO Medizin §10, Satz 2).

Formulierungsvorschlag:
„The present work was performed in (partial) fulfillment of the requirements for obtaining the degree “Dr. med.”/ ”Dr. med. dent.” / “Dr. rer. biol. hum.””

Unabhängig davon, wo die Arbeit durchgeführt wurde, muss die „Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)“ auf dem Paper genannt werden (und nicht nur das Universitätsklinikum).
Grundsätzlich sollte auch bei englischsprachigen Publikationen der Universitätsname „Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU)“ verwendet werden. Besteht von Seiten des Herausgebers die verpflichtende Vorgabe, den Universitätsnamen auf Englisch anzugeben, so ist alternativ dazu „Friedrich-Alexander-University Erlangen-Nürnberg (FAU)“ zulässig.

Eigenanteil des Promovierenden an der Publikation

Der Eigenanteil der Doktorandin oder des Doktoranden an Durchführung und Niederschrift der Publikation(en) ist durch den Betreuer / Gutachter schriftlich darzulegen und durch die Ko-Autoren zu bestätigen, so dass eine Beurteilung der individuellen Leistung der Doktorandin oder des Doktoranden zweifelsfrei möglich ist.

Das entsprechende Formular kann im Bereich „Downloads“ heruntergeladen werden.

Masterarbeit = Dissertation?

Laut §10 der Rahmenpromotionsordnung der FAU darf die Dissertation nicht mit einer früher abgefassten Abschlussarbeit (z. B. Masterarbeit) oder einer bereits veröffentlichten Abhandlung identisch sein, kann aber auf einer solchen aufbauen. Es muss sich dabei aber um eine eindeutige Weiterentwicklung des Themas handeln, neue Datensätze und/oder Experimente müssen dazu kommen.

Abgabe der Pflichtexemplare in der Universitätsbibliothek

Nach der mündlichen Promotionsprüfung muss der Promovierende die Pflichtexemplare bei der Universitätsbibliothek abgeben (§15 Rahmenpromotionsordnung). Es können entweder Papierexemplare bei der UB abgegeben werden oder der Promovierende kann die Doktorarbeit online in den OPUS-Dokumentenserver der Universität einstellen. Die Doktorarbeit wird damit in OPUS online veröffentlicht, und eine spätere Publikation in einem wiss. Fachjournal wird dadurch mitunter erheblich erschwert. Generell unmöglich wird die Publikation in einer Fachzeitschrift nicht, es kommt im Einzelfall auf die Vorgaben der Fachzeitschrift an.

Das ordnungsgemäße Ende des Betreuungsverhältnisses ist der erfolgreiche Abschluss der Promotion. Eine vorzeitige Auflösung des Betreuungsverhältnisses ist unproblematisch, wenn es einvernehmlich durch Betreuungsperson und Doktorandin bzw. Doktorand aufgelöst wird.

Eine vorzeitige Beendigung des Verhältnisses durch die Doktorandin oder den Doktoranden ist jederzeit und ohne die Angabe von Gründen möglich. Möchte die Betreuungsperson das Betreuungsverhältnis beenden, müssen dazu triftige wissenschaftliche oder das Vertrauensverhältnis betreffende Gründe erfüllt sein, die durch die Betreuerin oder den Betreuer nachgewiesen werden müssen.

Endet die Mitgliedschaft des Betreuers in der FAU, so behält er das Recht, bereits begonnene Promotionsvorhaben bis zur Fertigstellung zu betreuen.

Rahmenpromotionsordnung
§11 (1) Das Promotionsorgan bestellt zwei Gutachter (bei s.c.l. 4 Gutachter).
§11 (2) Die Gutachterinnen und Gutachter erstellen je ein schriftliches Gutachten.

  • Gutachter werden durch das Promotionsorgan bestellt.
  • Erst- und Zweitgutachten müssen unabhängig voneinander erstellt werden.
  • Erstgutachter ist in der Regel der Betreuer; der Betreuer der Arbeit kann und soll dem Promotionsbüro geeignete Gutachter (insbesondere den Zweitgutachter) vorschlagen. Das zweite Gutachten kann, muss aber nicht, vom Ordinarius/Leiter der wiss. Einrichtung in der promoviert wurde, erstellt werden.
  • Das Erstgutachten ist in der Regel ausführlicher als das Zweitgutachten. Es steht dem Zweitgutachter allerdings frei, ein ebenso ausführliches Gutachten zu verfassen, wie der Erstgutachter.
  • Der Notenvorschlag muss in den jeweiligen Gutachten nicht übereinstimmen (Ausnahme siehe Bestimmungen zur Benotung „summa cum laude“).
  • Das Gutachten muss sich ausschließlich auf die im Promotionsbüro abgegebene Endversion der Dissertationsschrift beziehen.
  • Bitte erstellen Sie das Gutachten nicht vor Abgabe der Dissertationsschrift im Promotionsbüro.
  • Erstgutachter und Zweitgutachter können die Gutachten zusammen in einem verschlossenen Umschlag an das Promotionsbüro schicken.
  • Das Gutachten muss innerhalb eines Zeitraumes von 3 Monaten erstellt werden (Vorgabe der Rahmenpromotionsordnung §11, Abs. 2).
  • Falls die Dissertation veröffentlicht wurde, muss dies im Gutachten mit vollständigen bibliographischen Angaben erwähnt werden. Ebenso sollte erwähnt werden, falls der Promovierende die Ergebnisse seiner Arbeit bei einem (internationalen) Fachkongress vorstellen konnte.

„Summa cum laude“

Wenn beide Gutachter übereinstimmend die Note „summa cum laude“ vorschlagen, werden für das Verfahren zwei weitere Gutachterinnen oder Gutachter bestellt, von denen mindestens eine oder einer einer anderen Universität angehören muss (FPromO §11, Abs. 1).

Bei „summa cum laude“ wird der Betreuer gebeten, dem Vorsitzenden des Promotionsausschusses (unbefangene und neutrale!) externe Gutachterinnen oder Gutachter vorzuschlagen. Dem Promotionsbüro müssen auch die aktuellen Kontaktdaten (Email-Adresse, Telefonnummer und Postadresse) der vorgeschlagenen Gutachterinnen und Gutachter mitgeteilt werden.

Die externen Gutachter dürfen nicht aus dem Umfeld der Arbeitsgruppe stammen, in der die Promotion entstanden ist. Ehemalige Mitarbeiter und Kollegen sollten genauso vermieden werden wie Ko-Autoren einer im Rahmen der Promotion oder des Projekts entstandenen Publikation. Auch ehemalige Betreuer, die den Doktoranden vielleicht schon bei einer Diplom- oder Masterarbeiten unterstützt haben, sind keine geeigneten externen Gutachter für die Promotion.

Eine Gesamtbenotung der schriftlichen Arbeit mit „summa cum laude“ ist nur möglich, wenn alle vier Gutachter übereinstimmend mit „summa cum laude“ bewerten.

Erstellung der Gutachten für eine Dissertationsschrift

Die Dissertationsschrift wird in der Regel von der Betreuerin bzw. vom Betreuer der Arbeit begutachtet. Der Betreuer kann den zweiten Gutachter vorschlagen. Bewerten beide Gutachterinnen oder Gutachter die Arbeit mit „summa cum laude“, dann werden zwei weitere Gutachter bestellt. Die Betreuerin oder der Betreuer kann und soll dem Promotionsbüro geeignete Personen für die Begutachtung vorschlagen (bitte mit aktuellen Kontaktdaten und Postadresse). Mindestens eine oder einer der beiden zusätzlichen Gutachter muss einer anderen Universität angehören. Der Personenkreis der möglichen Gutachter und Prüfer wird von der Promotionsordnung geregelt (§5 RPromO und §4 und §5 FPromO).

Zur Erleichterung beim Erstellen eines Gutachtens schlägt der Promotionsausschuss die Berücksichtigung der nachstehenden Kriterien vor. Wenn diese Punkte beachtet werden, sollte die Erstellung eines Gutachtens im Interesse der Promovierenden in angemessener Zeit (max. Frist 3 Monate) möglich sein. Natürlich steht es jeder Gutachterin und jedem Gutachter frei, das Gutachten in einer Form zu erstellen, die eher als geeignet erscheint.

Befähigung des Doktoranden zur wissenschaftlichen Arbeit und zum kritischen Denken

  • Bewertet werden soll der Beitrag der Doktorandin bzw. des Doktoranden zur Themenstellung oder Weiterentwicklung des Themas der Arbeit
  • Hat der Promovierende die vom Betreuer vermittelten methodischen Grundlagen und die aus der Literatur gewonnenen Erkenntnisse angewendet und in der Arbeit umgesetzt?
  • Hat der Promovierende für das vorgegebene Problem selbstständig einen Lösungsweg erarbeitet?
  • Ist die Literatur aktuell, relevant und korrekt zitiert?

Die Eignung der angewandten Methoden zur Gewinnung und kritischen Überprüfung von Daten

  • Welcher methodische Grundansatz liegt vor? (z.B. tierexperimentelles Projekt, nicht-interventionelle klinische Studie, Fall-Kontroll-Studie, etc.) Ist der methodische Grundsatz geeignet und korrekt beschrieben?
  • Der Beitrag des Promovierenden zur Anwendung und Etablierung von Methoden soll bewertet werden
  • Aus dem Gutachten sollte hervorgehen, welche Art von Mess- und Labormethoden, Erhebungsinstrumente sowie ggf. auch spezielle Computerprogramme zur Anwendung kamen (nur summarische Angaben, die eine Abschätzung des methodischen Aufwandes zulassen).
  • Das statistische Vorgehen des Promovierenden bei der Datenanalyse sollte ausreichend spezifiziert und bewertet werden. Wurden die erhobenen Daten korrekt ausgewertet?
  • Hat der Promovierende die erhobenen Daten sinnvoll und korrekt interpretiert?
  • Werden Resultate und benutzte Methoden angemessen diskutiert, sind die gezogenen Schlüsse begründet?

Fähigkeit zur sinnvollen Arbeitsplanung und Strukturierung der Arbeit; Befähigung zur selbstständigen Arbeit

  • Bewertet werden soll, inwieweit der Promovierende die Arbeiten selbstständig durchgeführt hat, insbesondere die Literaturrecherche und Zusammenstellung, ggf. die Durchführung der Laborarbeiten und die Niederschrift
  • Bewertet werden soll das Engagement des Promovierenden und seine Bereitschaft zum selbstständigen Arbeiten
  • Wurde die Fragestellung in einem angemessenen Zeitraum bearbeitet?

Aufbau und äußere Form der Arbeit; Verständlichkeit und wissenschaftlicher Stil der Sprache

  • Führt die Einleitung so in das Thema ein, dass die Fragestellung deutlich wird?
  • Werden Grundlagen, Untersuchungsgut und Methoden übersichtlich und verständlich dargestellt?
  • Worin bestehen die wesentlichen Resultate, sind diese gut und nachvollziehbar beschrieben?
  • Entspricht die äußere Form der Arbeit den gängigen wissenschaftlichen Standards?
  • Ist die Sprache verständlich und präzise?

Die vorgenommene Bewertung muss für die Mitglieder des Promotionsausschusses eindeutig nachvollziehbar sein. Wesentlich ist dabei, dass die eigene Leistung des Promovenden herausgestellt und gegenüber Beiträgen und Vorarbeiten von dritter Seite innerhalb der eigenen Arbeitsgruppe klar abgegrenzt wird.

Bei einer Publikationsdissertation muss der Eigenanteil des Promovierenden an Durchführung und Niederschrift der Publikation(en) durch den Betreuer / Gutachter schriftlich dargelegt und durch die Ko-Autorinnen und Ko-Autoren bestätigt werden, so dass eine Beurteilung der individuellen Leistung der Doktorandin oder des Doktoranden zweifelsfrei möglich ist. Sonderfälle regelt § 10 der Fakultätspromotionsordnung.

Erstgutachter(in) und Zweitgutachter(in):

Erst- und Zweitgutachten müssen unabhängig voneinander erstellt werden.
Das Erstgutachten ist in der Regel ausführlicher als das Zweitgutachten. Es steht der Zweitgutachterin allerdings frei, ein ebenso ausführliches Gutachten zu verfassen, wie die Erstgutachterin.

Falls die Dissertation veröffentlicht wurde (z.B. in einem Fachjournal), dann muss dies im Gutachten mit vollständigen bibliographischen Angaben erwähnt werden. Ebenso sollte erwähnt werden, falls der Doktorand die Ergebnisse seiner Arbeit bei einem (internationalen) Fachkongress vorstellen konnte.

Der Notenvorschlag muss in den jeweiligen Gutachten nicht übereinstimmen (Ausnahme siehe Bestimmungen zur Benotung „summa cum laude“).

Für die Benotung hat die Fakultät Empfehlungen ausgearbeitet, die Ihnen einen Anhalt geben sollen, welche Kriterien bei der Bewertung einer Arbeit erfüllt sein sollten (→ siehe „Benotung von Dissertationsschriften“ auf dieser Webseite)

Diese Kriterien sind lediglich als Anhaltspunkte zur Abgrenzung zwischen den einzelnen Noten gedacht. Natürlich muss in allen Fällen die wissenschaftliche Qualität der Arbeit in den Vordergrund gestellt werden, sämtliche Abschnitte der Arbeit müssen sorgfältig erstellt sein, die Literatur muss dem Stand zum Zeitpunkt der Fertigstellung der Arbeit entsprechen. Die Gutachten müssen den Notenvorschlag ausdrücklich begründen.

Das Gutachten sollte sich ausschließlich auf die im Promotionsbüro abgegebene Endversion der Dissertationsschrift beziehen. Bitte erstellen Sie das Gutachten nicht vor Abgabe der Dissertationsschrift im Promotionsbüro.

Bitte schicken Sie das Gutachten in einem Umschlag ans Promotionsbüro.

Erstgutachter(in) und Zweitgutachter(in) können die Gutachten zusammen in einem verschlossenen Umschlag an das Promotionsbüro schicken.

Seit Inkrafttreten der Rahmenpromotionsordnung der FAU und durch die Änderung der Promotionsordnung haben die Fristen für die Promotionsverfahren eine größere Bedeutung bekommen. Daher muss die Fakultät verstärkt auf die Einhaltung der Begutachtungszeiten achten.

Bitte erstellen Sie das Gutachten innerhalb eines Zeitraumes von 3 Monaten

(Vorgabe der Rahmenpromotionsordnung §11, Abs. 2)

Externe Gutachter bei „summa cum laude“

Wenn beide Gutachter übereinstimmend die Note „summa cum laude“ vorschlagen, werden für das Verfahren zwei weitere Gutachter bestellt, von denen mindestens einer einer anderen Universität angehören muss (FPromO §11, Abs. 1).

Bei „summa cum laude“ wird der Betreuer gebeten, dem Vorsitzenden des Promotionsausschusses (unbefangene und neutrale!) externe Gutachter vorzuschlagen.

Die externen Gutachter dürfen nicht aus dem Umfeld der Arbeitsgruppe stammen, in der die Promotion entstanden ist. Ehemalige Mitarbeiter und Kollegen sollten genauso vermieden werden wie Ko-Autoren einer im Rahmen der Promotion oder des Projekts entstandenen Publikation. Auch ehemalige Betreuer, die den Doktoranden vielleicht schon bei einer Diplom- oder Masterarbeiten unterstützt haben, sind keine geeigneten externen Gutachter für die Promotion.

Richtlinien zur Benotung von Inauguraldissertationen

Von den Gutachtern sollten folgende Kriterien zur Beurteilung der schriftlichen Arbeiten herangezogen werden:

  1. Die Befähigung des/der Doktoranden/in zur wissenschaftlichen Arbeit und zum kritischen Denken, sowie zum Entwickeln selbständiger Lösungswege für vorgegebene Probleme aufgrund der vom Betreuer vermittelten methodischen Grundlagen und der aus der Literatur gewonnenen Erkenntnisse.
  2. Die Eignung der angewandten Methode zur Gewinnung und kritischen Überprüfung von Daten und Informationen sowie deren Interpretation.
  3. Sinnvolle Arbeitsplanung und Strukturierung des Aufgabenkomplexes, persönliches Engagement und Einhaltung eines angemessenen zeitlichen Rahmens bei der Fertigstellung der Arbeit.
  4. Titelgestaltung, Aufbau und Proportionierung der Arbeit; Darstellung von Grundlagen, Untersuchungsgut und Methodik, Ergebnissen;
    Facettenreichtum der Diskussion und Verarbeitung der Literatur; Präzision, Verständlichkeit und Stil des Ausdrucks.

Die methodischen und organisatorischen Besonderheiten des jeweiligen Faches müssen angemessen berücksichtigt werden.

Für die Arbeit des Promotionsausschusses ist es wesentlich, dass aus dem Gutachten eindeutig hervorgeht, worin der Eigenanteil des Promovenden liegt, der, unabhängig von der Thematik, für die Benotung ausschlaggebend ist. Diesen zu beurteilen, ist insbesondere bei Einbindung des Promovenden in ein Team erfahrener Wissenschaftler für Außenstehende nicht selten unmöglich. Die Qualität des Themas allein präjudiziert die Note nicht. Soll eine Originalpublikation als Dissertation eingereicht werden („Publikationsdissertation“), so muss der Promovend Erstautor oder im Falle einer anteiligen Erstautorenschaft primo loco genannt sein. Bei Koautorenschaft des Promovenden muss eine konventionell verfasste Dissertation vorgelegt werden. Andernfalls wäre schwerlich glaubhaft zu machen, dass die Promotionsarbeit vom Doktoranden selbst verfasst wurde. Ausnahmen regelt die Promotionsordnung.

Für die Bewertung sind fünf Kategorien vorgesehen, die beispielhafte Nennung von typischen Merkmalen der einzelnen Bewertungsstufen bezieht sich ausschließlich auf Dissertationen zum Dr. med. und Dr. med. dent..

Insufficienter = 5

Eine Leistung, die weder in inhaltlicher noch formaler Hinsicht den Mindestanforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit entspricht.

Rite = 4

  • Klinische Beobachtungstudien und Fallzusammenstellungen (sog. „statistische“ Arbeiten) einfacher Art.
  • Einfache experimentelle, nachvollziehende Arbeiten unter Anleitung mit etablierten Methoden.
  • Kasuistiken seltener Fälle; theoretische Arbeiten einfachen, überwiegend referierenden Charakters.

Cum laude = 3

  • Selbständig durchgeführte klinische Beobachtungsstudien mit Betonung neuer wissenschaftlicher Aspekte unter Einbeziehung von Kontroll- und Versuchsgruppen zur Verifizierung oder Falsifizierung bestehender Auffassungen.
  • Experimentelle Arbeiten unter Verwendung etablierter, aber schwieriger Methodik und selbständiger Durchführung aller Arbeitsschritte.
  • Kasuistiken, die ein deutliches Maß an Eigeninitiative des Doktoranden erfordern (z. B. Nachuntersuchung von Patienten bei retrospektiven Studien, Kasuistiken mit Monographiecharakter).

Magna cum laude = 2

  • Anspruchsvolle klinische Beobachtungstudien, die zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen geführt haben und vom Doktoranden im Wesentlichen selbständig geplant und durchgeführt worden sind.
  • Experimentelle, methodisch schwierige Arbeiten, die zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen geführt haben; selbständige Anwendung neuer Methoden bzw. Verbesserung etablierter Verfahren. Theoretische Arbeiten, die sich besonders auch mit mathematischen Modellansätzen befassen.
  • Theoretische Arbeiten und klinische, v. a. auch prospektive Studien mit umfassender Bearbeitung der Literatur und eigenständiger, kritischer Analyse bestehender Auffassungen, die zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen geführt haben.

Das Vorliegen einer Publikation ist für Erteilung der Note m.c.l. nicht zwingend erforderlich, doch sollte die Arbeit publikationsfähig bzw. zur Publikation vorgesehen sein. Umgekehrt präjudiziert eine vorliegende Veröffentlichung nicht die Note m.c.l.

Summa cum laude = 1

Diese Note bleibt Arbeiten vorbehalten, die in ihrer Konzeption, Originalität und wissenschaftlichen Bedeutung weit über den guten Durchschnitt hinausweisen. Die Veröffentlichung der Arbeit in einer anerkannten internationalen Zeitschrift mit dem Doktoranden als Erstautor oder anteiligem Erstautor ist erforderlich. Im Falle einer anteiligen Erstautorenschaft muss der Promovend primo loco genannt sein. Ausnahmen regelt die Promotionsordnung.

  • Anspruchsvolle klinische Beobachtungsstudien, die vom Doktoranden selbständig geplant und durchgeführt worden sind und zu bedeutsamen neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen geführt haben.
  • Anspruchsvolle experimentelle Arbeiten und theoretische Modellstudien mit neuer bzw. selbständig entwickelter Untersuchungsmethodik, die in ihrer wissenschaftlichen Bedeutung über m.c.l., Punkt b hinausgehen.
  • Theoretische Arbeiten, die zu neuen, bedeutsamen wissenschaftlichen Erkenntnissen geführt haben und in Originalität und brillanter Durchdringung einer komplexen Materie weit über dem Durchschnitt liegen.

CAVE: Vermeiden Sie feste Notenabsprachen mit Doktoranden vor Fertigstellung der Arbeit!

  • Die Bestellung der Prüferinnen und Prüfer erfolgt durch das Promotionsorgan. Zur Abnahme von Promotionsprüfungen berechtig sind alle habilitierten Fakultätsmitglieder (laut Bayerischem Hochschulgesetz).
  • Die Prüfungskommission besteht aus dem Vorsitzenden der Promotionskommission plus zwei weiteren Prüfern (bei „Dr. med.“ und „Dr. med. dent.“); mindestens zwei Prüfer müssen Professorinnen oder Professoren sein.
  • Bei „Dr. rer. biol. hum.“ besteht die Prüfungskommission aus dem Vorsitzenden plus vier weiteren Prüfern. Mindestens drei der Prüfer müssen Professorinnen oder Professoren sein.
  • Das Promotionsbüro übermittelt der Kandidatin oder dem Kandidaten die Namen der Prüferinnen und Prüfer.
  • Die Prüferinnen und Prüfer bekommen vom Promotionsbüro mit der Bestellung ein Exemplar der Dissertationsschrift ausgehändigt (i.d.R. als pdf); der Kandidat bringt ein Exemplar der Dissertationsschrift zur Prüfung mit.
  • Die Kandidatin vereinbart mit den Prüfern die Termine der mündlichen Prüfung. Bei der Prüfung zum „Dr. med.“ und zum „Dr. med. dent.“ werden i.d.R. drei separate Prüfungstermine vereinbart. Ein Prüfungstermin mit gleichzeitiger Anwesenheit aller Prüferinnen und Prüfer wird dann vereinbart, wenn die Dissertationsschrift mit „summa cum laude“ bewertet wurde oder wenn die Kandidatin oder ihre Betreuerin ausdrücklich einen einheitlichen Prüfungstermin im Sinne einer Disputation wünscht.
  • Bei der Prüfung zum „Dr. rer. biol. hum.“ wird i.d.R. ein Prüfungstermin vereinbart, an dem alle vier Prüfer anwesend sind.
  • Eine einzelne mündliche Promotionsprüfung zum „Dr. med.“ und „Dr. med. dent.“ dauert 15 Minuten; wurde die Dissertationsschrift mit „summa cum laude“ bewertet, findet die mündliche Prüfung in Form einer Verteidigung („Disputation“) statt und dauert etwa 1 Stunde. Die mündliche Prüfung zum „Dr. rer. biol. hum.“ dauert ebenfalls etwa 1 Stunde.
  • Die Kandidatin bzw. der Kandidat erläutert zu Beginn der Prüfung seine Arbeit. Gefragt wird zum Thema der Arbeit. Medizinisches Grundlagenwissen, das unmittelbar mit dem Thema der Arbeit zu tun hat, kann auch gefragt werden. Allgemeines medizinisches Wissen soll nicht geprüft werden.
  • Der mündliche Prüfer soll die Dissertation lesen, eine Beurteilung oder Korrektur derselben ist aber nicht seine Aufgabe.
  • Die Benotung der mündlichen Prüfung ist unabhängig von der Benotung der Dissertationsschrift und soll keine Kopie der schriftlichen Note sein.
  • Das Ergebnis der mündlichen Prüfung ist in der Niederschrift zu vermerken.
  • Im Fall von getrennten Prüfungsterminen findet i.d.R. die letzte Prüfung beim Vorsitzenden des Promotionsausschusses statt. Der Vorsitzende teilt dem Kandidaten das Ergebnis der mündlichen Prüfung mit.In der Medizinischen Fakultät ist die Öffentlichkeit in begrenztem Ausmaß zur mündlichen Prüfung zugelassen, wenn die Kandidatin bzw. der Kandidat dagegen keine Einwände erhebt.