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MIRACUM legt Traumstart hin

Prof. Dr. Dr. h.c. J. Schüttler, Prof. Dr. H.-U. Prokosch und Prof. Dr. J. Hornegger begrüßen die Gäste (Foto: UK Erlangen)

Das MIRACUM Konsortium (Medical Informatics in Research and Care in University Medicine) feierte am 22. und 23. Februar 2018 seinen Start mit einem Kick-Off Symposium in den Hörsälen Medizin in Erlangen – und rund 250 Gäste aus dem In- und Ausland folgten der Einladung. Auch die Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats (siehe unten) waren extra angereist und trugen mit Fachbeiträgen zum Gelingen des Symposiums bei. Auf der Veranstaltung präsentierten die Wissenschaftler und MIRACUM-Mitstreiter die hoch gesteckten Ziele für die nächsten vier Jahre, in denen das Konsortium vom BMBF mit 32 Millionen Euro gefördert wird. MIRACUM ist eines von vier Konsortien der Medizininformatik-Initiative und vereinigt momentan acht Universitäten mit Universitätskliniken, zwei Technische Hochschulen und einen Industriepartner. Das Symposium bot die Gelegenheit, dass sich die Mitarbeiter der einzelnen Standorte noch besser kennenlernen konnten – auch auf der MIRACUM Party am Abend des 22. Februar im Redoutensaal. Hier rockten die GMDS Allstars, so dass auch die Bewegung an diesem Abend nicht zu kurz kam. Wir wollen diesen „Spirit“ nun in die nächsten Jahre tragen und freuen uns, alle Mitglieder und interessierte Wissenschaftler und Ärzte 2019 wieder zu begrüßen!

Die ersten Ergebnisse

Bereits in der Konzeptphase hat das MIRACUM-Konsortium erste Ergebnisse erzielt. Inspiriert von einem Besuch verschiedener exzellenter medizininformatischer Forschungsstandorte in New York, Boston und Nashville, setzten die Forscher auf den pragmatischen Beispielen und Vorarbeiten der Amerikaner auf und konzipierten in kürzester Zeit eine erste Version ihrer Datenintegrationszentren. Diese wurden auch bereits mit anonymisierten Datensätzen befüllt.

Darauf aufbauend, analysierten die Wissenschaftler eine erste klinische Fragestellung. Sie gingen der Frage nach, inwiefern eine neue Behandlungsoption, die sogenannte Thrombektomie, bereits bei Schlaganfall-Patienten eingesetzt wurde. Die Thrombektomie ist ein relativ schonendes Verfahren, um Blutgerinnsel zu entfernen. Auf der Basis von etwa drei Millionen dezentral und anonymisiert bereitgestellten Krankenhausfällen aus den acht Konsortialkliniken konnten die Wissenschaftler unter anderem nachweisen, dass sich von 2014 bis 2016 die Thrombektomierate bei Schlaganfallpatienten fast verdoppelte (von durchschnittlich 4,7 auf 9,6 Prozent). Gleichzeitig griffen die MIRACUM-Kliniken den neuen Therapieansatz unterschiedlich häufig auf: Im Jahr 2016 schwankten die Werte der acht Kliniken zwischen 5,8 und 17 Prozent.

Dies ist nur der erste Schritt, den das MIRACUM-Konsortium unter Nutzung von Abrechnungsdaten – Diagnosen und Prozeduren – bereits in der Konzeptphase umsetzen konnte. In den kommenden vier Jahren werden wir an den demnächst zehn oder elf MIRACUM-Standorten Datenintegrationszentren aufbauen, in denen wir die Vielzahl der in der Krankenversorgung dokumentierten klinischen Daten und Bilddaten, aber auch Forschungsdaten, zum Beispiel aus genomischen und molekularen Hochdurchsatzanalysen, integrieren, standortübergreifend harmonisieren und für deutlich weitergehende Analysen nutzbar machen werden. Letztendlich etablieren wir IT-Infrastrukturen, die den Forschern eine Vielzahl von Werkzeugen für unterschiedlichste Analysen zur Verfügung stellen und damit dem medizinischen Erkenntnisgewinn dienen sollen.

erläutert Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch, der Erlanger Koordinator des MIRACUM-Konsortiums. Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Schüttler fügt hinzu:

Im Sinne der konsequenten Umsetzung von S3-Leitlinien könnten diese Ergebnisse ausschlaggebend sein für  eine verbesserte Patientenversorgung an allen Standorten.

Der nächste Schritt

MIRACUM ist das größte geförderte Konsortium der Medizininformatik-Initiative – und wächst voraussichtlich noch weiter. Denn im nächsten Schritt sollen bisher nicht geförderte Universitätsklinikstandorte an die Konsortien angeschlossen werden. Dafür stellt das BMBF weitere 30 Millionen Euro zur Verfügung. MIRACUM stimmt sich dafür mit den Universitätskliniken Dresden, Greifswald und Lübeck ab. Im Falle einer positiven Begutachtung durch das internationale Gutachtergremium würde MIRACUM bereits ein Drittel aller deutschen Universitätskliniken umfassen.

Teilnehmer des Wissenschaftlichen Beirats

Richard Frackowiak – Centre Hospitalier Universitaire Vaudois, Lausanne, Switzerland

Arie Hasman – Academic Medical Center of the University of Amsterdam, the Netherlands

Kai U. Heitmann – HL7 Deutschland / Heitmann Consulting and Services / Gefyra GmbH, Köln

George Hripcsak – Biomedical Informatics, Columbia University, New York City, USA

Lisa McShane – Division of Cancer Treatment & Diagnosis NIH, Bethesda, USA

Stefan Schulz – Institute of Medical Informatics, Statistics and Documentation, Medical University Graz, Austria

Ahmet Zehir (an Stelle von Charles Sawyers) – Clinical Bioinformatics, Memorial Sloan Kettering Cancer Center, New York City, USA

Weitere Informationen

Prof. Dr. Hans-Ulrich Prokosch

www.miracum.org