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Jakob-Herz-Preis 2020

Am 7. Februar fand die Verleihung des Jakob-Herz-Preises an Frau Professor Magdalena Götz im Hörsaal-Zentrum Medizin statt.

Zusammen mit der Forschungsstiftung Medizin am Universitätsklinikum Erlangen wird die Auszeichnung für herausragende wissenschaftliche Erfolge aus dem gesamten Gebiet der theoretischen und klinischen Medizin vergeben. Die diesjährige Preisträgerin, Prof. Dr. Magdalena Götz aus München, erhielt die Auszeichnung in Anerkennung ihrer bahnbrechenden Entdeckung, dass Gliazellen im Gehirn nicht nur Nähr- und Stützfunktion haben, sondern ein Reservoir von Stammzellen darstellen, die sich auch bei Erwachsenen noch in Nervenzellen umwandeln können.

Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte der Dekan, Prof. Dr. M. Neurath, alle Anwesenden und gab einen kurzen Rückblick auf das Leben und Wirken von Jakob Herz in der Medizinischen Fakultät. Prof. Dr. J. Hornegger, der Präsident der FAU, betonte die translationale Forschung an der FAU und freute sich, dass mit dem Jakob-Herz-Preis nun zum zweiten Mal in Folge eine Frau geehrt wird. Gleichzeitig ließ er anklingen, dass die Medizinische Fakultät bereits mehrfach ein glückliches Händchen bei der Auswahl von Ehrendoktoren und Jakob-Herz-Preisträgern bewiesen hat, da diese nachfolgend den Nobelpreis erhalten haben. Der Oberbürgermeister der Stadt Erlangen, Dr. F. Janik, veranschaulichte die Wichtigkeit der Etablierung dieses Preises, da damit die Erinnerung an Jakob Herz, den Antisemitismus sowie die unrühmliche Vergangenheit der Stadt und Universität während des Naziregimes verbunden ist und es gerade in der derzeitigen Zeit sehr wichtig ist dies auch ganz deutlich darzustellen. Den Preis sieht er als Auszeichnung und politisches Symbol, dass Erlangen aus seiner Geschichte gelernt hat.

Herr Prof. Chichung Lie würdigte die Preisträgerin hinsichtlich ihrer Verdienste und erläuterte auch die zahlreichen Verbindungen und Kooperationen zwischen der Preisträgerin und den neurowissenschaftlich arbeitenden Arbeitsgruppen z.B. im Biochemischen Institut und der Molekulare Neurologie sowie der Stammzellforschung.

Im abschließenden Vortrag der Preisträgerin wurde in sehr verständlicher Form allen Anwesenden erläutert worauf ihre Forschung beruht und wie diese Erkenntnisse der Menschheit zukünftig zu Gute kommen könnten.

Musikalisch wurde die Veranstaltung umrahmt von Helmut Eisel & JEM und begeisterten mit ihren Darbietungen aus der Klezmermusik allen Anwesenden und ganz besonders auch die Preisträgerin.

Die Preisträgerin

Jakob-Herz-Preisträgerin Magdalena Götz (Bild: privat)

Jakob-Herz-Preisträgerin Magdalena Götz (Bild: privat)

Mit ihrer Forschung zu Gliazellen leitete Götz den größten Paradigmenwechsel der modernen Neuroentwicklungsbiologie ein: Lange Zeit wurden Gliazellen nur als Zellen angesehen, die Nervenzellen während der Entwicklung unterstützen, wenn diese wandern und sich positionieren. Die Neurobiologin fand jedoch Ende der 90er-Jahre heraus, dass Gliazellen in der Gehirnentwicklung Stammzellfunktion übernehmen. Der Nachweis der Stammzellfunktion löste die jahrzehntelange Frage nach dem zellulären Ursprung von Nervenzellen und veränderte die funktionelle Einordnung von Gliazellen dramatisch.

In der Folge hat Magdalena Götz weiter dazu beigetragen, dass die Forschung besser versteht, wie Stammzellen sich in Nervenzellen umwandeln und wie dieser Vorgang kontrolliert werden kann. Auf der Basis der Erkenntnisse entwickelt ihre Arbeitsgruppe neue Ansätze, Zellen zielgerichtet in Nervenzellen zu differenzieren, und schafft damit Grundlagen für Therapieansätze für Erkrankungen des zentralen Nervensystems.

Götz ist eine weltweit anerkannte Expertin für die humane Großhirnrinde. Die Expansion der Großhirnrinde, also die Bildung von oberflächenvergrößernden Falten, ist die anatomische Grundlage für die außergewöhnlichen menschlichen Denkleistungen.

Der Jakob-Herz-Preis und sein Namensgeber

Jakob Herz (1816-1871) war zu seiner Zeit einer der führenden Lehrkräfte der pathologischen Anatomie und Chirurgie und gilt als Begründer der chirurgischen Anatomie. Im Jahr 1867 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Erlangen ernannt, 1869 zum ersten ordentlichen Universitätsprofessor jüdischen Glaubens im Königreich Bayern. Er starb 1871 im Einsatz für seine Patientinnen und Patienten im Deutsch-Französischen Krieg. Der Jakob-Herz-Preis wird seit 2009 in einem Zwei-Jahres-Turnus von der Forschungsstiftung Medizin und der Medizinischen Fakultät verliehen, wurde aber 2015 um ein Jahr verschoben, um an den 200. Geburtstag von Jakob Herz zu erinnern.

Weitere Informationen

Prof. Katrin Schiebel

Tel: 09131/85-24604